Atopische Dermatitis: Emollienzien in der Kindheit – eher nein!

Etwa 20% aller Kinder erkranken in ihrem ersten Lebensjahr an atopischer Dermatitis. Zur möglichen Vermeidung gibt es unterschiedliche Ansätze und Ergebnisse. Hat das Baden in Emollienzien im Alter von zwei Monaten eine protektive Wirkung?

Baden in Emollienzien und die Auswirkungen auf die atopische Dermatitis

Wieso ein Bad in Emollienzien?

Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer atopischen Dermatitis ist die familiäre Belastung. Leiden ein oder beide Elternteile an der Krankheit, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für die Kinder, Atopiker zu werden. Daher suchen viele Eltern nach Möglichkeiten, die Krankheitsentwicklung zu vermeiden oder zu verlangsamen. Nicht selten greifen sie daher zu Emollienzien, die dem Bad der Säuglinge zugegeben werden.

Die Feuchtigkeitsspender sind doch gut bei AD, oder?

Viele Menschen behandeln ihre manifeste atopische Dermatitis mit Emollienzien und die Feuchtigkeitsspender werden auch häufig von Dermatologinnen und Dermatologen als Mittel der ersten Wahl empfohlen. Doch können die Hautpflegestoffe auch die Entwicklung einer AD vermeiden oder aufhalten? Dieser Frage ist eine aktuelle Studie nachgegangen. In ihre wurden die Daten von über 2.000 Säuglingen erfasst, die im Alter von zwei Monaten in den Pflegeprodukten gebadet wurden. Von etwa 1.500 lagen Follow-Up-Daten zur AD vor. 

Emollienzien – gut zur Behandlung, gut zur Vorbeugung?

Das Ergebnis der Untersuchung: Bäder in Emollienzien in der frühen Kindheit scheinen nicht vor der Entstehung einer atopischen Dermatitis zu schützen. In der analysierten Studienpopulation war die Verwendung der Bäder sogar mit einem signifikant höheren Risiko verbunden, innerhalb der ersten zwei Lebensjahre an AD zu erkranken. 

Entsprechend wenig überraschend: auch eine Kombination aus Bädern und Hautcremes mit den Feuchtigkeitsspendern geht mit einem erhöhten AD-Risiko einher. 

Kinder, die weder in den Stoffen gebadet noch mit ihnen eingecremt wurden, hatten eine deutlich niedrigere Inzidenz an atopischer Dermatitis. 

Fazit für die Praxis

Die Daten der Studie legen nahe, dass die Verwendung von Emollienzien in der frühen Kindheit die Hautbarriere nicht dahingehend verbessert oder stärkt, dass eine atopische Dermatitis gar nicht erst entsteht. Vielmehr scheint das Baden von Säuglingen in den Stoffen sogar mit einem erhöhten Krankheitsrisiko einherzugehen. Daher sollten Eltern – insbesondere diejenigen mit AD-gefährdeten Säuglingen – aufgeklärt werden, dass die Verwendung der Hautpflegeprodukte nicht mit besseren Outcomes zu korrelieren scheint. Die Studiendaten zeigen, dass in den untersuchten Fällen eher das Gegenteil der Fall war.

Die neuesten Entwicklungen zu dermatologischen Erkrankungen direkt vom Kongress der European Academy of Dermatology and Venerology: 

Weitere Informationen in unserer Kongressberichterstattung zum EADV 2023.
 

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