Zerstreutheit bei Erwachsenen kann Frühzeichen für zerebrale Mikroangiopathie sein

Wenn Erwachsene häufig "den roten Faden" verlieren, kann es sich um erste CSVD-Symptome handeln. Laut einer aktuellen Studie ist jeder zweite ältere Erwachsene mit vaskulären Risikofaktoren betroffen.

Wenn Erwachsene häufig "den roten Faden" verlieren, kann es sich um erste CSVD-Symptome handeln. Laut einer aktuellen Studie ist jeder zweite ältere Erwachsene mit vaskulären Risikofaktoren betroffen.

Die zerebrale Mikroangiopathie (cerebral small vessel disease, CSVD) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen des Alter(n)s. Diese vaskulären Veränderungen an den perforierenden Arterien und Arteriolen, Kapillaren, Venolen sind mit der Entwicklung vaskulärer Demenz und einem höheren Risiko für Apoplex, M. Alzheimer und andere Demenzen assoziiert.

Neuropsychologische Tests bei jedem zweiten Betroffenen unauffällig

Im Rahmen einer aktuellen Studie wurden 54 Erwachsene zwischen 55 und 80 Jahren per MRT, neuropsychologischen Tests und Fragebögen untersucht, bei denen mindestens ein Risikofaktor für einen Apoplex bestand (bspw. Hypertonus, Diabetes, Schlafapnoe, Raucheranamnese, TIA in der Vorgeschichte).
Etwa jeder zweite Rekrutierte wies im strukturellen MRT eine signifikante Läsionslast (Hyperintensitäten der weißen Substanz ∼10 cm3) auf. Diese Teilnehmer berichteten auch subjektiv von Aufmerksamkeitsdefiziten und leichter Ablenkbarkeit bei täglichen Aufgaben. Interessanterweise erzielte die Hälfte von ihnen in den objektiven Tests dennoch eine im Referenzbereich liegende Exekutivleistung.1,2

Demnach fällt vielen Menschen, die einen stummen Apoplex hatten, selbst auf, dass sie sich schlechter konzentrieren können oder häufiger geistesabwesend sind, selbst wenn neuropsychologische Testbatterien für Aufmerksamkeit und Exekutivleistung noch keine Defizite detektieren können.
Erstautor Ayan Dey, Absolvent der Universität Toronto, formuliert daraus den klinisch relevanten Schluss: "Wenn jemand das Gefühl hat, dass dem so ist [dass er häufig zerstreut ist], sollte er sich damit bei einem Arzt vorstellen, insbesondere wenn Vorerkrankungen oder ein Lebensstil vorliegen, die das Risiko für Apoplex oder kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen."

Gesunde Hirnfunktion erhalten, bevor sie abnimmt

Zu einem gewissen Maße sind mit zunehmendem Alter ischämische Läsionen in der weißen Substanz auch im Gehirn klinisch unauffälliger Personen nachweisbar. Auch wenn solche "verdeckten" Schlaganfälle keine so offenkundigen Symptome verursachen wie offene Apoplexe, führt die zerebrale Mikroangiopathie zu Schäden an der weißen Substanz (die für die Kommunikation zwischen den Regionen zuständig ist), was über die Zeit in Gedächtnis- und kognitiven Problemen resultieren kann. "Typischerweise wird diese Art von Apoplex zufällig im MRT entdeckt, wenn die zerebralen Schäden sich verschlimmert haben.", fügt Dey hinzu.
Eine erhaltene Exekutivfunktion trotz CSVD kommt häufig zum Preis einer verlangsamten Verarbeitungsgeschwindigkeit. CSVD geht außerdem mit einer höheren Inzidenz von depressiven Symptomen einher.

Es existieren keine effektiven Therapien für Alzheimer, doch zerebralen vaskulären Veränderungen kann vorgebeugt werden.
"Bei richtiger Diagnose bzw. rechtzeitiger Erkennung könnten Lebensstil-Interventionen das Risiko älterer Erwachsener für kognitiven Abbau senken", meint Dr. Brian Levine, Professor für Psychologie und Neurologie an der Universität Toronto. Hierzu gehören Rauchstopp, Bewegung, Stressmanagement, gesunde Ernährung sowie Vermeidung bzw. Einstellung von Hypertonus und Diabetes.

Referenzen:
1. Absentmindedness points to earlier warning signs of silent strokes among people at risk. ScienceDaily Available at: https://www.sciencedaily.com/releases/2019/02/190206091417.htm. (Accessed: 20th March 2019)
2. Dey, A. K. et al. Cognitive heterogeneity among community-dwelling older adults with cerebral small vessel disease. Neurobiology of Aging 77, 183–193 (2019).

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